Die weiße Taube und die blaue Stadt

Gestern abend am Hafen fand ich keinen vertrauenswürdigen Maroc-Telekom-Verkäufer, der uns SIM-Karten fürs Internet verkauft, nur einer von denen, die „nuschelnuschel“ rumlaufen und so tun, als würden sie Haschisch verkaufen. Also waren wir erstmal ohne Internet im Land. Das WLAN im Hotel war ok, also heute als erstes einen seriösen Maroc-Telekom-Shop finden. In der nächsten Stadt Tetouan (wegen der vielen weißen Häuser „die weiße Taube“ genannt) habe ich mir einen Shop markiert und dann mit der google maps Offlinekarte dorthin navigiert. Natürlich hatte ich genau den Laden ausgesucht, der in der Altstadt mit unübersichtlichen Einbahnstraßen liegt, die selbst google nicht kennt. Mit etwas Glück einen Parkplatz in den engen Gassen gefunden, ein freundlicher älterer Mann in wichtiger Warnweste als Parkplatzwächter sprang herbei und navigierte mich in die Lücke und bedankte sich für den umgerechneten einen Euro, den man hier für diese Dienstleistungen gibt.

Dafür war der Verkäufer im Telekom-Shop etwas muffig und überraschend unwissend, er musste sich von dem Türsteher einige Tipps geben lassen. Dafür ist das Internet um die Hälfte billiger geworden: Vor einem Jahr gab es noch die Parität von Euro zu Gigabyte (20€=20GB), jetzt bekommt man für 20€ gleich 40GB. Das sollte reichen.

Das Wetter war erwartungsgemäß leicht schaurig, daher auch keine Fotos aus der Stadt, sowieso sind die Städte in Marokko selten besonders hübsch. So fuhren wir nach Osten Richtung Mittelmeer und dann eine tolle Motorradstrecke direkt an der Küste entlang. Im nächsten Dorf, Oued Laou, haben wir am Strand in einem Restaurant angehalten, da ich ein Teams-Meeting hatte und ja nun auch Internet.

Mitten im Online-Meeting fing im Dorf der Muzzi an zu rufen, hörte sich aber eher an wie ein Mofa, das langsam warm gefahren wird, also keine komischen Fragen der Meeting-Teilnehmer.

Ich hatte von dort aus eine „romantische Bergstraße“ nach Chefchaouen geplant, die sich aber als sehr sehr rumpelige, verschlaglochte und schmale Bergpiste herausstellte, da war man mit 30 Sachen schon schnell. Keine Motorradstrecke. So kamen wir nach Chefchauen, eine am Nachmittag sehr wuselige Stadt, in den Bergen gelegen mit steilen Straßen, intransparenter Verkehrsführung und sehr zahlreichen Verkehrsteilnehmern. Das war dann doch etwas stressig, bis wir das Hotel gefunden haben, eines der wenigen mit Garage. Für unsere weite Anreise (oder aus welchem Grund auch immer) haben wir ein Upgrade auf die „Suite“ bekommen:

Und die Lounge:

Der Blick vom Balkon auf die hier im Zentrum nicht ganz so blaue Stadt:

Dann sind wir in die wirkliche Altstadt hochgelaufen (viele viele Treppen), vor über 500 Jahren vom lokalen Herrscher Ali Ben Raschid als Festung gegen die Portugiesen gebaut.

Warum die Häuser hier so wirklich blau gestrichen sind ist nicht zu 100% geklärt, gibt verschiedene Thesen, aber eines ist gewiss: Seitdem die Touristen kommen, w ird immer weiter fleißig neu gestrichen.

Irgendwie hatte es was, am Tag der „blauen Welle“ in Amerika hier in der „blauen Stadt“ zu sein.

Gibt auch noch einige unrestaurierte Ecken, aber hat seinen Charme, dass dieses touristische Highlight nicht so Euro-Disney-mäßig aufpoliert ist.

Und noch eines in blau:

Bevor wir dann in das Restaurant „Bacha Rouge“ zum Essen gegangen sind, das sich gegen den Trend in rot kleidet:

Morgen soll das Wetter besser werden, schaumermal.

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