Endlich endlich richtig in die Berge. Von „Cluses“ nac h“Alpe d’Huez“ (bzw. unten ins Tal)

über 10 Pässe und insgesamt über 12.000 Höhenmeter:

War früh unterwegs, 07:15 auf der Achse, vorher ein doppelten Espresso und Croissant in der Bar nebenan. Dann den Pass hoch, der gestern wegen Radrennen noch gesperrt war. Es hatte die Nacht wohl ein bisschen geregnet, die Straße war da und dort noch etwas feucht, und viel geflickt, also Augen auf nach den hässlichen Bitumenstreifen, mit denen die Flicken immer noch abgedichtet werden, aber bei Hitze oder Feuchte schweineglatt sind. Dafür war ich allein, die Sonne noch hinter den Bergen, aber wärmer als gestern.

Schon am zweiten Pass habe ich den ersten GS-Fahrer gefrühstückt, sollte nicht der einzige gewesen sein. Klar, mit seinen 130 PS (war die ganz neue GS) kann er am Kurvenausgang ziemlich abfeuern, aber er hatte deutlich weniger Vertrauen in seine Reifen bei der Feuchte und wenn Tornado mal knapp an die roten Zahlen kommt (erst bei 9.000), dann verschnupfe ich auch eine GS am Kurvenausgang.

(Das ist nur Zufall, dass nach Erwähnung einer GS nun hier Kühe abgebildet werden).
Ab dem 3. Pass (weiß nicht mehr welcher, unten Symbolbild von einem der Pässe an dem Tag)

war die Straße auch trocken, und so konnte ich auch mal mit der Raste ein paar Furchen in den Asphalt ziehen.
Die Dörfer, durch die man kommt, sind ausnahmslos Ski-Tourismus-Orte, und entsprechend trostlos sind sie außerhalb der Saison.

Dutzende von Restaurants, Bars, Cafés, aber alle geschlossen. Nur die Baukräne drehen sich, die die Rohbauten der neue Hotels hochziehen.
Bis Mittag bleibe ich an der klassischen „Route de Grandes Alpes“,

eine ca. 700 Kilometer lange Touristenstraße durch die französischen Westalpen. Erfunden wurde die Strecke vom Touring Club de France schon vor über 100 Jahren (im Jahre 1909). Damals begann die Planung und dem Ausbau der Straßen, um den Tourismus in den abgelegenen Bergregionen zu fördern. Die letzten Pässe, die fertiggestellt wurden, überfuhr ich heute: Col de l’Iseran (1937) und der Cormet de Roselend (1970).
Die Anfahrt zum Col de L’Iseran ist Klasse, wie auch die anderen 4 Pässe bis zu diesem hier. Eigenverantwortung für Fahrzeugführer wird hier groß geschrieben, nirgends (absolut nirgends) auf all den Pässen ein Verkehrsschild. Keine Geschwindigkeitsbegrenzung, kein Hinweis auf eine Kurve, oder auf mehrere Kurven, auch kein Schild vor einer Tornante (=Kehre), und Leitplanken sowieso nicht. Endlich mal ohne Ablenkung die Strecke genießen. Blickführung first.

Hier war ich schonmal:

Damals, mit dem Hufschmied-Paul.
Damals wie heute muss man an diesem Schild ein Ticket ziehen, weil sich Motorradfahrer und tapfere Radfahrer vor diesem Schild ablichten.
Landschaftlich ist die ganze Gegend ein Traum:

Den verschiedenen Stauseen sieht man aber den trockenen Sommer an:

Das Wetter wurde immer besser (und in den Tälern immer wärmer).

Auf diesen Pässen hat schon einst Hannibal mit seinen Elefanten die Alpen überquert und den Römern einen riesen Schrecken eingejagt (bis heute ist nicht geklärt, warum er Rom am Ende doch verschont hat).
Die Grenznähe zu Italien hat noch andere beeindruckende Bauten erzeugt:

Dieses Bauwerk ist die „Redoute Marie-Therese“, und da wurde keine Ex-Frau eines französischen Kaisers weggeschlossen, sondern das Königreich Piemont-Sardinien lies diese Anlage (neben anderen) zwischen 1819 und 1825 bauen, um einen möglichen französischen Vormarsch durch dieses Tal zu verhindern. Dazu kam es nie, die Anlage wurde nie beschossen und sieht deshalb heute noch so gut aus. Die Namensgebung kam aus der königlichen Familie derer von Savoyen, alle Forts heißen wie Familienmitglieder. Und das hier ist halt der Name der Königin von Sardinien-Piemont. Ohne Krieg wurde diese Region dann 1860 französisch.
Irgenwann bog ich von der bekannten Route ab und zog einsame Spuren durch sehr sehr kleine Straßen und sehr enge Pässe hoch, auf einmal keine GS mehr in der Nähe (die auf der klassischen Route des Grandes Alpes in Rudeln unterwegs waren).
Die „Lacets de Montvernier“ ist eine dieser Höllenstrecken, für die man Kehren wirklich beherrschen sollte. Einspurig (aber keine Einbahnstraße), die Kehren mit sehr viel Drücken im 1. Gang, und scheinbar endlos. 18 Kehren auf 4 Kilometer, und das Stilfser Joch ist im Vergleich ein Übungshang.

Danach kommt aber der „Col de Chaussy“,

die Strecke wird angenehm, eine Hochebene und wirklich wenig los.

Einfach zum Genießen.

Ganz in der Nähe ist der Aufstieg zum „Col de la Confrérie“.

Dort finden sich ca. 40 Kehren, aber jede Kehre neu asphaltiert, Straße ist zweispurig breit, und sehr sehr einsam.

Sieht schlimmer aus als es ist, einfacher als die „Lacets de Montvernier“ . Ich komme wieder auf eine Hochebene, keine einzige GS, überhaupt keine Motorräder, nur ein einziges Postauto kommt mir entgegen. Am Pass dann mal Zeit für Brotzeit.

Und das erste Selfie:

Die Berge im Hintergrund sehen eindrucksvoll aus, wer kennt deren Namen?

Dann auf der langen Abfahrt eine ungeplante Verzögerung:

Stück für Stück schlängele ich mich an der Seite hindurch, und nach einer Viertelstunde habe ich die Schafe überholt.
Am Ende komme ich über den „Col de la Confession“ auf halber Höhe nach Alpe D’Huez raus, bekannt aus der Toure de France und sehr beliebt bei allen Radfahrern. Ich fahre ins Tal, komme gut unter

und verbringe das Abendessen zwischen zwei Dutzend schwäbischer Radfahrer, die von ihren Heldentaten berichten (wobei der Aufstieg, den ich morgen mache, sind super breite schnelle Kehren bis nach Alpe D’Huez, mit dem Rad tatsächlich eine Heldentat ist).
War ein langer Tag, und sehr kurvig, der Schnitt zeigt es.
