Im September 2026 entschied ich mich, wieder eine „lonesome Cowboy“-Tour zu machen, und mal wieder in die Westalpen. Warum allein, warum wieder in die Westalpen?
Nun, letztes Jahr meine erste Allein-Tour in den Balkan hat mich auf den Geschmack gebracht, alleine zu reisen. Und diese Balkan-Tour ging zurück auf das Jahr, achje, 2021… Es war damals, als ich anfing mit dem Motorradfahren und eigentlich einen Freund bei seiner Tour auf die Seidenstraße bis nach Istanbul begleiten wollte, um von dort allein zurück zu fahren. Ich hatte damals Schiss, ganz allein zwei Wochen durch fremde Gefilde zu düsen, und er sagte: „Das wird die beste Zeit deines Lebens.“ Dass das damals gescheitert ist, ist hinreichend dokumentiert. Aber 2025 holte ich das nach, und was soll ich sagen: War vielleicht nicht zwingend „die beste Zeit“ meines Lebens, denn die habe ich gerade, aber es war einfach geil. Und da ich dieses Jahr fast ausnahmslos zu zweit gefahren bin, denn meine „Mitbewohnerin“ ist nun mit dem B196 selbst unterwegs,

und ich begleitete sie die ersten 4000 Kilometer durch deutsche Regionen, und so fehlte mir diese eine große einsame Tour.
Und die Westalpen? Nun, die sind halt einfach Klasse. „Zuviel von etwas Gutem kann wundervoll sein“, steht auf einer Postkarte am Kühlschrank, und einige Strecken kannte ich ja schon, andere fehlten damals, die langfristige Wettervorhersage sah gut aus (endlich die berühmte „stabile Hochdrucklage im September in Südfrankreich„, höhö), also zwei Termine verschoben, Basecamp zur Verzweiflung gebracht und die Tour geplant. Was mich zwei Tage gekostet hat, aber ich nun weiß wie es geht: Eine eigene Freizeitkarte-OSM zu bauen, die über Ländergrenzen hinweg geht.
Die Anfahrt klassisch: Durch den Pfälzer Wald und die Nordvogesen,

dann südlich von Straßbourg via Autobahn nach Belfort. Dort hatte ich ein Hotel in der Stadt gefunden, dass tatsächlich eine eigene Garage für Motorräder bereitstellt (eigentlich ist es das Weinlager…).

(Blick aus dem Hotelzimmer).
Abends bei 28 Grad dort eingelaufen, und am nächsten Morgen bei halb so viel wieder los. Der Herbst lässt grüßen. Zum Glück hatte ich meine Übergangs-Handschuhe dabei, die halfen, doch die Griffheizung musste ich nicht anschalten.
Der Weg nach Süden folgte der D437, aber als RN (Route National) ausgebaut und beschildert (90 km/h), aber gepflastert mit Blitzern. Gut, die 90 Sachen in dem Geschlängel sind meistens schon mutig, und die dicken Blitzerdinger tragen in der Landschaft schon echt auf, also die kann man nur mutwillig übersehen. Aber das Tal der Doubs, so heißt der Fluss, war landschaftlich wirklich schön, echte Empfehlung, und abwechslungsreich.

Da grasen sie noch friedlich, kein Kilometer weiter gibt’s die auch gegen Geld und tot:

Dort habe ich mir ein Stück gekauft und im Wald dann Middaach gemacht:

Was dem Weiltal sein autofreier Sonntag ist, ist dem Franzosen das autofreie Doubs-Tal. Und natürlich an dem Sonntag, an dem ich da durchfahren will. Gut, auch wenn keine Umleitung beschildert ist, dann halt improvisieren und der Himmelsrichtung „Süden“ nach. Aber was dem Familien-Franzosen das autofreie Doubs-Tal ist, das ist dem Amateur-Radrennfahrer das Radrennen rund um die Doubs. Natürlich auf den Umleitungsstrecken. Tausende Radfahrer kamen mir zum Glück nur entgegen, aber die ganze Gegend war ziemlich zweiradig verseucht. Irgendwann bin ich dann noch weiter abgebogen und hab kleinere Straßen gesucht.

hier ist es das „Jura“, also eher so sanftes Mittelgebirge. Wenn man dann wieder hinab ins Tal steigt, dann sieht man den Herbst:

Irgendwann ist man auf einmal in der Schweiz (nur ein kleines Schild am Wegesrand deutete an, dass die Autobahnen eine Vignette erfordern, Schengen sei Dank), biegt in das „Tal der Uhrmacher“ und steht vor den berühmten Uhrenfabriken:

Wer es nicht lesen kann, hier gegenüber der Fabrik die Gedenktafel für den Herrn Coultre (der Teil hinter „Jaeger le Coultre“):

Immerhin eine Uhr aus diesem Werk trage ich ab und zu, aus diesem Haus hier (Audemar Piquet) kann ich mir keine leisten:

Dann tauchte der Genfer See auf:

Gaaanz hinten in der Ferne kann man schneebedeckte Gipfel der Alpen sehen.
Von hier aus sah das noch ganz nett aus, aber den Genfer See ostwärts zu umfahren ohne die Autobahn zu nutzen (wollte die 40 € Jahresticket für ne halbe Stunde Autobahn nicht ausgeben), das ist eine Strafe. Über zwei Stunden bin ich durch ausnahmslos dicht besiedeltes Gebiet gezockelt. Ist ja klar, alpennahe Bergseen in Regionen mit hinreichender Kaufkraft (und das sagt man den Schweizern ja nach) sind natürlich auf jedem Ufermeter bebaut. Kaum ein Blick auf den See, und wenn, dann auf einen Hafen mit endlos Segelbooten. Zum Glück war Sonntag, an einem Wochentag hätte die Runde doppelt so lange gedauert.
In Montreux dann ein wenig Geschichte: Das hier ist das Casino,

das 1971 während des Montreux Jazz-Festivals bei einem Konzert von Frank Zappa abgebrannt ist, und als der „Rauch über dem Wasser“ von einem Balkon eines etwas höher gelegenen Hotels von einer aufkommenden Rockband gesehen wurde, komponierten diese ein kurzes Riff in G-Moll und landeten einen Welthit, aber auch nur, weil ihnen für ihr gerade entstehendes Album „Machine Head“ noch ein Song fehlte.
Und das ist das Wasser, über dem der Rauch wehte:

Das ist dann auf der französischen Südseite des Genfer Sees, dort ist deutlich weniger los (weniger Kaufkraft?), und die Straße ist tatsächlich schön.
Dann endlich in die Berge:

Hat ein bisschen was von der „Cathedrale“ in Marokko,
Abends nach Plan in „Cluses“ eingelaufen, Zimmer wieder klimatisiert.
Die Tagesstatistik beider Tage: Die Anfahrt über den Pfälzer Wald,

und die Fahrt durchs Jura und den verkafften Genfer-See entlang (man beachte den Schnitt in Fahrt):

Gute Reise und weiterhin schönes Wetter auf Deiner Tour. An unserem Stammtisch diese Woche bist du dann wohl nicht dabei.
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