Ungarn ist mir ja nicht so sympathisch: zum einen mit dem Motorrad langweilig, und zum anderen geht mir deren Chef gewaltig auf die Nerven. So habe ich den Plan geändert und durchquere Serbien Richtung Bosnien.
Der kleinen Grenzübergang war nicht frequentiert, und so hatten die Zöllner zum ersten Mal auf der Route auch die Zeit, nach meinem Führerschein zu fragen. Wobei ich mich fragte, warum der rumänische bei der Ausreise den Führerschein sehen wollte…
Kaum über die Grenze merkt man das Gefälle in der Wirtschaftsleistung: ein Drittel weniger BIP pro Kopf, Serbien steht wirtschaftlich deutlich schlechter da als Rumänien. Aber dafür hat der serbische Präsident Aleksandar Vučić eine große Klappe: seit Tagen wird in der sympathischen Kleinstadt Novi Sad (bin ich durchgefahren) gegen Korruption demonstriert, und teilnehmende Europa-Abgeordnete bezeichnete der Präsident als „schlimmsten Abschaum“. Hat er solche Sprüche von seinem Freund Putin, oder vom noch besseren Freund Orban? Er wird es wissen.
Nun war die Fahrt durch Serbien kürzer als durch sie durch Ungarn gewesen wäre, nach 150 Kilometer war „der Spuk“ vorbei. Ich hätte ja noch gerne getankt in Serbien, aber auf den letzten 50 Kilometer sah ich nur zwei Tankstellen, die verlassen, verwildert und verwahrlost waren, so eine Location aus dystopischen Filmen wie in „Book of Eli“ (Unvergessen Denzel Washington auf die Frage: „Wo gehtst du hin“? Er dann: „Nach Westen“. Und ich fuhr ja streng nach Westen…). So war ich schnell in Bosnien, und nach der 10. Tankstelle auf 8 Kilometern habe ich aufgehört zu zählen. Auch wenn Bosnien wirtschaftlich nicht besser da steht als Serbien, ist es mir sympathischer. Nicht nur, weil die Serben halt die meisten Kriegsverbrechen in den Jugoslawien-Kriegen begangen haben (Stichwort: Srebrenica), sondern auch weil sie bis heute nix davon wissen wollen. Ihre Kriegsverbrecher, Mladic und Karadzic, haben sie zehn Jahre lang versteckt, eher sie in Den Haag verurteilt wurden und seitdem dort vor sich hin schmoren. Und Milosevic ist dort verreckt, der General Praljak hat sich dramatisch während der Verhandlung ein Becherchen Zyankali eingeschenkt, und die Serben haben geheult („großer Verlust für das Land“). Ne echt jetzt, da wird Sympathie schwierig.
Die Fahrt durch Bosnien ging hügelig dahin,

und gegen Mittag suchte ich einen Rastplatz. An einer Tankstelle wollte ich einen Kaffee, aber nix Kreditkarte (die Zeiten der Wechselstuben an den Grenzen sind vorbei), und so bin ich zur Bäckerei nebenan gefahren. Ebenfalls nix Kreditkarte. Dann eben nicht, dachte ich, parkte dennoch und packte meine Salami aus, die ich mir vor dem Motorradtreffen in Bulgarien gekauft hatte, und schnitzte mir ein paar Scheiben davon ab.

Dann kam die Bäckersfrau raus und reichte mir ein großes Brötchen als Geschenk. Wow. Ich bedankte mich herzlich, und kaute Salami mit Brötchen. Dann erschien sie wieder und fragte, ob ich einen Kaffee wollte. Wie kann man da nein sagen. Und zack, stand ein türkischer Mokka auf dem Tisch, mit zwei Schokopralinen dazu. Also sowas. Und als ich packte und gehen wollte, kam sie nochmal mit einem kleinen Proviantpaket in Plastiktüte eingewickelt. Also sowas. Ich war echt gerührt. Hier werden Reisende noch würdig behandelt. Irgendwie ist man als alleinreisender Motorradfahrer sowas wie der einsame Wanderer im Mittelalter.
Meine Route sollte zu den „Jablanica“-Seen führen, da hatten wir während der Bosnia-Rallye nach einer wirklich schwierigen Etappe mal einen Stop in einem Restaurant am See, wo dieses Foto entstand:

(Wer hier Gott ist und wer Adam ist unerheblich)

So oder so, die Fahrt durch die bosnischen Berge war durchaus abwechslungsreich:

Vor Tieren wird ja immer wieder mal gewarnt, aber vor Fledermäusen?
Nun, war auch ein echt gruseliger Tunnel:

Nur die Farbcodes der Straßen auf der OSM-Karte wollten nicht zur Realität passen: Ich hatte extra die „roten“ „Bundesstraßen“ gewählt, aber die waren teilweise geschottert:

Und das war noch der nettere Teil. So harmlose Aussagen wie „Road under construction“…

entwickelten sich nach 10 Kilometer solala-Schotter als unpassierbar-Schotter. Mit der KTM kein Thema, aber mit dem Ross? Umkehren.

Da wollte ich hin, und wie am Track zu sehen ist, bin ich zweimal umgekehrt.
Einmal, als ich von einer Schotterstraße kam und an einer Kreuzung endlich wieder Asphalt hatte, sah ich… nun, was? Tatsächlich zwei Eppsteiner! Auf GS, Männlein und Weiblein, ebenso auf der Rückreise von der Balkantour. Er überlegte, ob die Straße nach Norden in Ordnung sei (ich hab mal nix dazu gesagt, auf meinem Navi war sie die drittschlechtes Farbe: Weiß), sie wirkte erschöpft, und für Schotter hatten sie zwar das einigermaßen passende Fahrzeug, aber nicht die notwendigen Reifen. Mal sehen, ob ich sie beim betreuten Trinken in Eppstein treffe.
Ich jedenfalls war so angenervt von dem ewigen Geschotter und Umkehren, dass ich die erstbeste Herberge mitten im Nirgendwo angefahren bin.

In der Herberge saßen ein paar ältere Männer, einer davon 40 Jahre in Stuttgart gearbeitet (nein, nicht bei Daimler) und er erklärte mir, dass die „Bundesstraße“ im letzten Oktober durch Unwetter komplett zerstört wurde und es wohl ein paar Jahre dauern würde, bis die wieder in Ordnung sei. Und die Navis hätten eh ihre Probleme in Bosnien, da würde fast nix passen. Danke, das habe ich gebraucht.
Dafür das erste echte Stiefelbier: Noch während die Pensionswirtin telefonierte um rauszubekommen, welches Zimmer ich haben könnte, habe ich in Motorradstiefel ein wohlverdientes Bier genossen:

Wie es morgen weitergeht werde ich morgen entscheiden. War ein langer Tag (ok, eine Stunde geschenkt wg. Zeitverschiebung -1 Stunde).
