Ich mag die Schweiz…

….NICHT.

Irgendein nicht verarbeitetes frühkindliches Trauma (vermute ich) hat eine bislang lebenslange Abneigung zur Schweiz kultiviert. Und ich sehe mich regelmäßig bestätigt. Erst vor kurzem bekam ich Post aus Belinzona, wegen 3 km/h zuviel glatte 40 Euro. Generell ist mir eine Volkswirtschaft, die so offensichtlich von Geld aus allen Quellen lebt, unsympathisch (wie haben sie sich geziert, das EU-Embargo gegen die Oligarchen mitzumachen). Gegen Motorradfahrer scheinen sie auch was zu haben: für ein Heftchen, das bei uns 6,30 Euro kostet, nehmen Sie 12 Euro. Das Doppelte! Nicht für Koks oder Silizium , nein für ein Presseerzeugnis!

Das ist natürlich nicht alles, aber es würde einen eigenen Blog und viele Jahre dauern, mein Trauma aufzuarbeiten.

Da wir heute echt früh (5 uhr) losgefahren sind, ging es bis in die Schweiz hinein ganz flott. Dann die ersten Hinweise, dass es am Gotthard dauern kann.

Kurz vor Italien eine erneute Stauwarnung, diesmal konnten wir den Stau auf einer motorradgerechten (aber nicht Hängergerechten) Nebenstraße umfahren. Auf dem Weg nach Genua dann erneut die Warnung:

Auf dem kriminellsten und gefährlichsten Autobahnstück Europas, das ich kenne, ein Unfall? Das kann dauern. Ein Rollerfahrer und ein Auto, wie wir später gehört haben. Ehrlicherweise nicht überraschend: Wer a) italienische Rollerfahrer in freier Wildbahn mal erlebt hat, wundert sich eh, wie die es schaffen, bis zur Fortpflanzung zu überleben, und b) siehe oben: diese Autobahn gehört verboten, oder nur mit Zusatzausbildung befahrbar.

Wir sind dann frühzeitig ab und eine paralell verlaufene und völlig harmlose Autobahn gefahren. Natürlich waren wir viel zu früh am Hafen, aber dafür sind wir auch nicht in Stress geraten, als am Mauthäuschen vor uns ein Audi aus Essen es nicht geschafft hat, das Ticket in den richtigen Schlitz zu schieben und den Verkehr solange aufgehalten hat, bis wohl irgendeine gnädige Seele in der Zentrale die Schranke aufgemacht hat (die schicken dann die Rechnung nach). Wie der Essener allerdings 80 Euro verfahren hat (das stand auf dem Display an der Mautkasse) ist mir ein Rätsel, wir haben 14 Euro bezahlt. Der gute Mann muss seit Tagen auf Italiens Autobahnen umherirren.

Am Hafen wollten wir dann noch einen Kaffee trinken,

…aber die „Bar“ war zu:

Bis dann das erste Tor aufging und wir in die nächsten Sortierbahnen fahren durften:

Zwei von vier schattigen Plätzchen auf dem Gelände hatten wir uns gesichert. Bei über 30 Grad recht wertvoll, und dazu ein kühles Moretti. So ließ sich auf das Schiff warten.

Das Einschiffen war dann nochmal spannend: „Roll-on Roll-off“ bedeutet eigentlich, einfahren, parken, rausfahren. Nur wir und ein paar Wohnwagen mussten im Schiff wenden und rückwärts einparken. Aber Paul der Hufschmied hat das lässig gemeistert (bei ihm musste kein Verlademitarbeiter ins Lenkrad greifen, wie bei den Leuten mit den riesigen Pommesbuden).

Letzte Blick in der Dämmerung auf Genua. Ein wenig wehmütig werde ich schon, von hier aus habe ich schon einige Male nach Tunis zum Rallye-Fahren abgelegt.

Dann mal gute Nacht.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Moin, moin. Gruß aus der Heimat an die Mopetisten. Und dem traumatisierten sein gesagt: Die Schweizer können nix dafür. Das waren die Nazis. Die haben denen meuschlings Gold untergejubelt. Dann wusste die Schweizer nicht vorhin damit und haben Radargeräte, Wasser in Plastikflaschen und Pharmafirmen erfunden. Bei 6 Millionen Einwohner muss man sehen wo man bleibt

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    1. Avatar von elchot2011 elchot2011 sagt:

      Das arme Volk. Eben bekomme ich Mitleid und bereue.

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  2. Der stärkt natürlich nachhaltig das Selbstbewusstsein. Diskutier mal mit einem Schweizer bei deinen 3km/h über Messunsicherheit. Die Antwort wird sein: Wieso? Wir messen richtig. Wir kennen keine Toleranz!

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