Honda Varadero („Tornado“)

Warum?

Nachdem ich nun einige Touren zu zweit mit der AfricaTwin gefahren bin, hat sich gezeigt (u.a. auf der Norditalien-Tour durch die Berge), dass 60 PS mit zwei ausgewachsenen Mitteleuropäern doch ein wenig zu kämpfen haben. Die Suche nach einem weiteren „treuen Ross“ dauerte eine Weile, es kamen einige Modelle in die engere Auswahl, um zu zweit gemütlich durch Europa reisen zu können.

Doch vorher ein paar meiner Kriterien, die verhindert haben, dass einige eigentlich passenden Modelle NICHT in die engere Wahl kamen:

Passende Modelle, die schnell ausschieden:


ModellBildGründe dagegen
BMG GS 1xxxx. Niemals eine GS. Das „beste“ Motorrad (lt. Tests deutscher Zeitschriften), das meistverkaufte Motorrad (in D), aber nie niemals eine GS. Ist wie mit Harley: Du fährst nicht Motorrad, du fährst GS/Harley.
BMW F800 GSZwar eine BMW, aber keine „echte“ GS, von daher…
Ordentliches Motorrad, guter Sozia-Komfort, selbst die 86 PS sind genug, und sieht vergleichsweise schnittig aus. Bin sie ein paar mal gefahren.
Aber:
– Langweilig zu fahren
– Kein „Traum“-Motorrad, kein „Kult“, keine Community. Halt einfach nur ein gutes Motorrad.
BMW R1200 RTDie Tourer-Variante der GS. schnittiger Auftritt, passende Farbe, ausreichend Power (ab 110 PS), nicht zu schwer (260 Kilo), von 2005-2013 gebaut (der Vorgänger sah echt schwülstig aus).
Aber:
– Eine BMW
– Boxer (sieht halt nach GS aus)
– Vergleichsweise teuer (10 Jahre alt, weit über 10.000 €)
Ducati Multistrada Ein Traum. Schwarz-rot, elegante Linien, und selbst die „kleine“ V2 mit über 110 PS (bin sie mal Probe gefahren) sensationell zu fahren.
ABER:
– Zu neu => zu teuer
– Nicht Sozia-tauglich (sieh nur dieses Sitzbrötchen am Heck)
Kawasaki VersysJa, ok, ein gutes Motorrad. Bin die 1000-er mal Probe gefahren: Sterbenslangweilig. Keine Emotionen. Auch wenn es das Modell schon länger gibt und daher auch günstiger zu bekommen ist: Ne, keine Versys.
Suzuki V-StromDer Langläufer aller Reise-Enduros (und Suzuki ist der „Erfinder“ des GS-Schnabels), und rein von den Fakten passend (guter Sozia-Komfort, 100 PS, 230 Kilo)
Aber:
– Gelb (oder schwarz)
– langweiliger Look
– langweiliger Motor
Neue Honda AfricaTwinDer Nachfolger, gibt es in passender Farbe, sieht gut aus. Bin mal Probe gefahren (hat mich aber nicht umgehauen).
– Der Sozia gefällt sie nicht
– Hab schon eine AfricaTwin
– Fährt Hinz und Kunz
-Zuviel elektronischer Schnickschnack (gilt für fast alle hier gelisteten Modelle)
Triumph TigerGibt’s seit 2006, von 95 bis aktuell 137 PS. Sehr gelobter 3-Zylinder Motor, gutes Reisemotorrad.
Aber:
– Das „Gesicht“ (von vorne) gefällt mir nicht.
– Paul der Hufschmied fährt eine, hab sie oft genug gesehen, nein, gefällt mir nicht.
Yamaha Teneré 700Der lang ersehnte Nachfolger, erschienen 2019. Sehr erfolgreich, hat das „Downsizing“ in der Reiseenduro-Branche angestoßen.
Aber:
– Nicht Fisch, nicht Fleisch (zu schwer für Endurofahren, zu schlapp fürs zu Zweit reisen)
KTM 1190 AdventureDie „Adventure“-Reihe von KTM geht von 640 bis aktuell 1290. Hinreichend PS (die 1190 von 2013-2016 gebaut), hat über 150 davon. Genug Platz für Sozia, solides Motorrad
Aber:
– Dieses Orange….!!
– Zu giftig (siehe „Raptor„), nicht „gemütlich“.
– Hab schon eine KTM (ok, hinkt, hab ja auch schon eine Honda).
Yamaha FJR 1300 Kategorie „Sporttourer“, sehr bewährtes und beliebtes Modell (2001-2020). 140 PS, viel Komfort, eigentlich besser als BMW-Modelle.
Aber:
– Gibt’s nicht in der richtigen Farbe
– Hab schon eine Yamaha (ok, hinkt…)
– Zu schwer (280 Kilo)

Und nun zu den Modellen, die in die engere Wahl kamen:


Yamaha Super Tenere 1200

Letzte Evolutionsstufe der legendären „Teneré“ aus den 80-ern. Fetter Parallel-Twin.

Gründe dafür:

  • Modernes Bike, gebaut 2010-2020
  • Kardanantrieb (wartungsarm)
  • Ausreichend Power (110 PS)
  • Gute Sozius-Eigenschaften
  • „ZE“-Version mit elektronischem Fahrwerk 
  • zahlreicher elektronischer Schnickschnack
  • Hohe Zuverlässigkeit

Gründe dagegen:

  • Gebrauchtpreise (ab 8000 €)
  • Sieht zu sehr nach „Enduro“ aus, ist aber zu schwer für ernsthaften Offroad-Einsatz (der eh nicht geplant ist)
  • Etwas zerklüftetes Design
  • (Angeblich) „langweiliger“ Motor
  • Komische Farben (schwer, da schwarz-rot draus zu machen)
  • Auch schwer (270 Kilo)

Honda ST 1100 Pan European

1990 bis 2002 als Antwort auf den „Flying Brick“ von BMW (K1100) , ein Reisetourer für höchsten Komfort.

Gründe dafür:

  • Sehr sehr bequem
  • Honda Zuverlässigkeit
  • Gibt es auch in rot
  • Integrierte Koffer in Wagenfarbe
  • Ungewöhnlicher Motor (V4 längs)
  • Ausreichend Power (98 PS)

Gründe dagegen:

  • Sauschwer (330 Kilo), damit relativiert sich die Power, nix für enge Kehren in den Bergen
  • Wirklich eher gemütlich, sportliches Fahren kaum möglich.
  • Etwas veraltetes Konzept mit 4 Vergasern
  • Erst späte Modelle mit ABS
  • Bei hoher Laufleistung recht hohe Wartungskosten

Moto Guzzi Stelvio 1200

Moto Guzzis Reiseenduro 2008-2016.

Gründe dafür:

  • Eine Moto Guzzi….!
  • Geiler V2 längs eingebaut, sichtbare Zylinder
  • Luftgekühlt, ist was fürs Auge
  • Ausreichend Kraft (105 PS)
  • Eher selten, Hauch von Exklusivität
  • Mit ABS
  • Gibt es auch (in einer Art) rot
  • 32 Liter Tank
  • Preislich im Rahmen (5000-8000 Euro)

Gründe dagegen:

  • Eine Moto Guzzi… (Zuverlässigkeit, Ersatzteilversorgung)
  • Nicht das beste Motorrad für Sozia-Fahren
  • Frühe Baujahre schwächeln (Drehmoment-Loch)
  • Schwer (270 Kilo)
  • Zahlreiche kleinere Schwächen, die von Motorradjournalisten gerne als „Charakter“ abgetan werden (knochiges Getriebe, Vibrationen allerorten, schwergängige Kupplung, Rechtsdrift durch den Kardan)

Mal abwarten, in 2023 oder 2024 soll eine neue Stelvio auf Basis der neuen V100 Mandello erscheinen.


„Flying Brick“: BMW K1100 LT

Einst DAS Reisemobil von BMW (1991-1998), und bei Einführung das teuerste BMW Motorrad. Die Geschichte beginnt bei der K100 (1986) und geht bis heute zur K1600.

Gründe dafür:

  • Einmaliges Motorkonzept (längs liegender 4 Zylinder Motor (Richtung wird immer mit der Kurbelwellenrichtung angegeben), daher der Spitzname „fliegender Ziegelstein“)
  • Kardan (ohne Umlenkung, da die Kurbelwelle ja schon in die richtige Richtung zeigt)
  • Sehr bequem
  • Gut zu fahren
  • Koffer und Topcase in Wagenfarbe, auch in (wein)rot
  • Mit ABS
  • Mit UKW-Radio (hihi)
  • Ausreichend Power (101 PS)
  • Außergewöhnlicher Look (manche sagen „hässlich“ dazu)

Gründe dagegen:

  • Doch ein wenig altes Konzept (1991….!)
  • Schwer (290 Kilo, aber im Vergleich zu den Nachfolgern ein Fliegengewicht)
  • Hässlich (manche sagen „außergewöhnlicher Look“ dazu)
  • Ist eine BMW

Den Nach-Nach-Nachfolger (K1600) sind wir mal Probe gefahren. Dann doch lieber gleich Cabrio, da braucht man keinen Helm und die Musik kommt besser rüber als bei diesem 30.000 € Plastikbomber.


Honda Varadero XL 1000

Der heiß ersehnte Nachfolger der alten AfricaTwin, 1999-2012 gebaut. War aber eher ReiseEnduro als ReiseEnduro. Wie die AfricaTwin ein V2 quer, aber mit 1000 Kubik und eben 50% mehr PS.

Fun-Fact: Offiziell nach einem Strandort in Kuba benannt, aber tatsächlich trafen sich 1998 Honda-Marketingleute zur Namensfindung in einer Kneipe in Leipzig, und nachdem den Jungs nichts besseres eingefallen ist (und wahrscheinlich ein paar Drinks die Runde machten), einigte man sich auf den Namen der Kneipe: „Varadero“ (die Kneipe schloss 2019 nach 42 Jahren Betrieb)

Gründe dafür:

  • Honda Zuverlässigkeit (es gibt dokumentierte Modelle mit 600.000 Kilometern)
  • Sehr bequem
  • Auch für Sozia („Für den Sozius auf der Varadero gibt’s eine flauschige und breite Sitzbank und mit den ergonomisch gelungenen Haltegriffe schafft die Honda glückliche Beifahrer.„)
  • Gut zu fahren, auch sportlich („höchst fahraktives Motorrad; die Varadero bevorzugt einen zügigen, runden Stil.surft die Dicke so satt und sicher über kurviges Terrain, dass sogar bekennende Supersport-Fans ihre wahre Freude daran haben.„)
  • 2004 sogar Testsieger gegen BMW GS
  • Toller Motor („Dieser Motor verfügt über einen ganz eigenen Charme. Kein Langweiler, sondern ein echter Dampfhammer….der Zweizylinder drückt das Schiff mit Macht nach vorne, beeindruckt dabei insbesondere mit seiner schieren Drehfreude„)
  • Gut integierte Koffer und Topcase in Wagenfarbe, Koffer groß aber eng anliegend, tragen nicht sehr auf (Mit Koffern nicht breiter als der Lenker)
  • Mit ABS und teilintegraler Bremse („die Bremsstabilität ist überdurchschnittlich„)
  • Ausreichend Power (94 PS)
  • Gibt es auch mit Tieferlegung für festen Stand
  • Vernünftige Preise (3000-5000 Euro) für Modelle ab 2004
  • Die beiden hochgelegten Auspuffrohre sehen schon scharf aus…:

Gründe dagegen

  • Auch schwer (260 Kilo), aber im Vergleich zu den anderen hier vorgestellten Modellen tatsächlich die Leichteste
  • Rot (wie im Bild) waren nur die frühen Vergaser-Modelle. Aber aus schwarz-schwarz lässt sich ja schon schwarz-rot machen

Mein Modell

Und so kam Anfang 2023 eine Varadero XL1000VA ins Haus,

  • In schwarz-schwarz (ein Teil davon wurde mit der Zeit rot )
  • Baujahr 2004 (SD02), mit Einspritzung und besserem Fahrwerk als die früheren Modelle (SD01)
  • Mit ABS
  • Originalkoffer (super einfach abzuklemmen, abschließbar, und schmiegen sich eng ans Motorrad)
  • Original Topcase (nicht auf dem Bild), mit „Rückenlehne“ für Sozia
  • Tieferlegung (wer mal mit einem „hohen Ross“ und Sozia im Stand umgekippt ist, weil ein paar Zentimeter zum festen Boden fehlten, wird den sicheren Stand zu schätzen wissen, wie die Sozia auch. Ist zwar damals nix passiert, aber so ein „Purzel“ schreckt schon auf.) Der Seitenständer setzt zwar in sehr schnittig gefahrenen Kurven (oder engen Kehren) schonmal auf, aber zum Angasen hab ich ja andere Motorräder (besonders „Die Dicke„, die ist etwas höhergelegt und kommt nur mit aller größter Mühe auf die Fußraste)
  • Bagster-Sitzbank
  • Bagster Tankverkleidung (nicht auf dem Bild, hat den Lack vom Tank aber geschont, wird irgendwann für gutes Geld verkauft)
  • Etwas breiterer Lenker
  • Sturzbügel (aber der kommt wieder weg. Umfallen ist keine Option)
  • 50.000 Kilometer, mit Scheckheft

Und da „treues Ross“ ja schon belegt war, die Varadero aber der Ersatz werden soll, bin ich bei Rössern geblieben und so heißt sie wie das treue schwarze Ross von Zorro (Kenner wissen: Das „Z“ in meinen Kennzeichen steht für „Zorro“…!): „Tornado“. Und ehrlich, beim Anzug ist sie mit über 50% mehr PS wie die AfricaTwin nicht direkt ein Tornado, aber schon ein solider Küstensturm im Vergleich zum lauen Herbstlüftchen der AfricaTwin.

Und was wird aus dem „treuen Ross“? Sie wird geschont und im Zweitwohnsitz in der Bretagne auf mich warten, um damit zum Bäcker, auf den Markt oder ans Meer zu fahren. So wird sie (hoffentlich) lange leben und nicht so schnell verschlissen. Und ich hab ein Motorrad im Urlaub !

Was noch dazu kam:

Kettenöler (durch die Tieferlegung musste der Hauptständer demontiert werden)
Heizgriffe
Stahlflex Bremsleitungen in passender Farbe. Die Bremswirkung ist beim festen Ankern deutlich besser geworden.
farbliche Eingriffe (Tank, Frontfender, Folien)
Schriftzug „Tornado“ statt „Varadero“
Sitzbank neu bezogen und Schriftzug „Tornado“
Gekürzte Frontscheibe (wie schon bei der AfricaTwin). Dadurch keine Verwirbelungen mehr, und bis 140 auf der Autobahn auch kein Stress
Den kleinsten Tankrucksack, den ich finden konnte, montiert auf einem Tankring. So bleibt der Lack unangetastet.
Sturzbügel kam weg (macht sie eeeetwas schlanker), stürzen ist ja keine Option. Und die Handschützer auch. Die sahen aus wie zu große Paddel, schützen im Sturzfall sowieso nicht sondern nur bei Regen.
Halterung fürs Garmin
Spiegelverbreiterung und andere Spiegel