Die Karpaten

Raunen. Zittern. „Zu dunkel, ich nicht fahren weiter“ (Dracula). Die Mythen, die sich um die Karpaten ranken, sind Legende. Und sie sind nun auch ein dicker fetter Gebirgszug, 1.300 km lang, erstreckt sich über mehrere Länder, (Österreich, Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn, Ukraine, Rumänien, Serbien). Nach Westen setzen sie sich in den Alpen fort (sind gleichzeitig entstanden), und nach Südosten ins Balkan- und Rhopodengenbirge (da war ich ja die letzten Tage). Die Karpaten bilden das größte bewaldete Naturparadies Europas und sind die Heimat der größten Bären- und Wolfspopulation des Kontinents (Spoileralarm: Ich habe keine Bären gesehen).

Und eine der berühmtesten Passstraßen der Welt, die Transfagarasan, liegt direkt vor meiner Hütte. Berühmt, weil hier mal eine Top Gear Folge spielte, und weil die Strecke (erst 1970 gebaut) wirklich schön ist. Bis zum anderen Ende waren es knapp 90 Kilometer, und wieder hatte ich Glück: Morgens um 07:30 war hinreichend wenig Verkehr, und der meiste kam dann gegen 9 von der anderen Seite (Wohnmobile, Motorradgruppen, zahllose Autotouristen), aber ich habe, wenn es hochkommt, auf den ganzen 90 Kilometer 10 Autos überholen müssen.

Der Einstieg in das hochalpine Gelände beginnt in einer dicht bewaldeten Schlucht,

ehe es dann über einen Pass in weiten Schleifen wieder runtergeht.

Sehr angenehm zu fahren, wenngleich ich solche Strecken aus den Alpen zur Genüge kenne. Auf der Nordseite dann ein Stück nach Westen, und die nächste Karpatenquerung durch ein langes Tal auf einer heftig frequentierten Bundesstraße wieder nach Süden (Sonntag-Fahrverbot gibt es hier für LKWs scheinbar nicht). Dann war ich mir unsicher, welcher Route ich folgen sollte, die Querung am Fuße der Berge weiter nach Westen war langweilig. Also die nächste wieder rechts in die Berge, auf den „Urdele“-Pass (2145 Meter), Teil der „Transalpina“, eine ebenso fantastische Querung der Karpaten. Sogar spektakulärer als die Transfagarasan.

Auf der Passhöhe die üblichen Buden und Geschäfte:

aber auch ein kleiner dunkler Bergsee:

Was für eine Fernsicht:

Auf der anderen Seite, mitten im Gebirge, eine Kreuzung; Hier trifft die Nord-Süd-Verbindung eine Ost-West-Straße, die weitestgehend durch ein langes Tal verläuft. Aber genau hier, mahnte mich Harald, bildete sich eine kleine Gewitterzelle:

Also die andere Seite gewählt (die des Lichts), und über die DN66 entlang des Flusses „Jui“ wieder nach Süden. Alles wieder Motorradfahren vom Feinsten.

Am Fuße des Gebirges passiert man viele Siedlungen, die man aber mit 70 km/h durchfahren darf und daher nicht sehr aufhalten. Was mir jedoch auffällt, ist dass hier ein etwas verspielter Baustil herrscht, auch in „armen“ Dörfern:

Viele kleine Säulen und Rundbögen,

leicht versetzte Gebäudeteile bringen Charme,

oder verspielte Verzierungen an der Hauswand!

aber auch moderne Häuser haben Rundbögen, Säulen und Türmchen.

Ob Backstein oder Betonverzierung, irgendwie wirkt das Ganze immer sehr knuffig.

Oder die ganze Hauswand wird aufwändig gesprenkelt, und Bögen so viel wie geht.

Wie aus Zuckerguss…

Woher dieser Tick hier in der Gegend kommt (bislang nur südlich der Karpaten gesichtet, im Norden nicht) ist mir unbekannt, aber so macht das Fahren durch die Dörfer Spaß.

Ansonsten abseits der Bundesstraße gemächliches Dorfleben: Alte Frauen, die auf einer Mauer sitzen und schwatzen, in einem Hof drei junge Männer über der offenen Motorhaube eines 3er BMW gebeugt, eine Familie beim Grillen im Garten, eine alte Frau zieht eine Kuh an der Leine die Straße entlang, und die Straßenhunde tun, was Straßenhunde so tun: Sie liegen auf der Straße, unbewegt, und heben selbst beim Heranböllern meines V2 nicht den verfilzten Kopf.

Durch ein weiteres Traumtal, das in einer veritablen Schlucht endete, links und rechts 800 Meter hoch die Felswände, ging es nach Herkulesbad. Sowas wie Karlsbad in Tschechien, nur noch älter (und Sissi war auch hier): Die Römer haben es vor 2000 Jahren gegründet wegen der vielfältigen Mineralienquellen, in der Hochzeit unter dem Kaiserreich Österreich-Ungarn ein echter Hotspot der Reichen und Wichtigen. Heute etwas abgerockt, voller Tagestouristen, die Glanzzeit sichtbar vergangen, aber trotzdem viele Leute hier. Morgen werde ich die Herkulesstatue mal anschauen, dann geht es weiter runter zur Donau.

An der Tagesstatistik sieht man (Schnitt in Fahrt), dass es nicht sooooo eng kurvig war, und an der „Zeit in Fahrt“, dass es sehr viel Spaß gemacht hat:

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