Bulgarien, das erste größere Land auf der Tour. Die 4 kleineren Länder, die ich bislang durchfahren von (Slowenien, Montenegro, Albanien, Nord-Mazedonien) passen locker in Bulgarien rein (und ist immer noch Platz für Rheinland-Pfalz).

Bulgarien ist, wie auch die anderen Balkan-Länder, ein Gemisch aus verschiedenen Völkern aus der Zeit. Es gibt zwar die „Urbulgaren“, aber das ist über 1000 Jahre her, und mit der Zeit entstand ein Mischvolk aus Slawen, Protobulgaren und auch Nachfahren der antiken Völker wie Thraker und Griechen. Dazu kommen genetische Einflüsse aus dem Nahen Osten, Nordafrika, Osteuropa und dem Kaukasus. Also heutzutage gibt es keinen „reinen“ Bulgaren, wie kein Land, dass ich bislang durchfahren habe, irgendeine ethnische „Reinheit“ hat. Warum die sich alle dann darauf berufen ist mir schleierhaft…
Einen Vorteil haben die ganzen Balkanvölker im Vergleich zu Deutschland: sie alle waren mal „Opfer“, unter dem osmanischen Reich, unter dem Nachbarvolk, unter den Russen, den Österreichern, und am Ende unter den Deutschen im 2. Weltkrieg. Wir Deutsche sind jedoch immer nur „Täter“… Macht nicht alles einfacher, aber diese ewige Opferrolle, in der sich hier so manches Balkanvölkchen wälzt, geht mir schon auf die Nerven. Der Balkanese (Balkanier? Balkanierende?) ist halt immer ein Gemisch aus den verschiedensten Stämmen und Völkern, die im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende hier ihr (Un-)Wesen trieben.
So, meine 50Cent zu diesem Thema. Weiter zur Reise.
Am Morgen bin ich zum „Sandtunnel“ gefahren: hinter dem Berg liegt ein sehr einsames und mittlerweile fast verlassenen Dorf, der Weg dahin war beschwerlich und lang, um auf die andere Seite des Berges zu kommen. Da haben die Bewohner des Dorfes sich selbst den Weg ins Licht gegraben und durch den Berg hier von Hand einen Tunnel gebuddelt. Da die Berge hier aus sehr weichen Sandgestein sind, ging das wohl recht flott, und so entstand der „Sandtunnel“:

Die Gegend hier ist für seine Weine bekannt (400 Kilometer weiter habe ich jemand erzählt, dass ich letzte Nacht in „Melnik“ war, und er meinte sofort, dass von da der beste Wein Bulgariens kommt), und so habe ich ein interessantes Weingut gefunden:

Die Lage erinnert an die Toskana….

Die Straße durch die Hügel war fantastisch, Motorradfahren vom Allerfeinsten. Und Schlucht können die in den Bergen („Rhodopen“) auch:

Und noch eins mit Tornado:

Und noch eins hochkant:

Die ganze Strecke durch diese Berge war ein Hochgenuss. Die Straße wie Zollhaus-Katzenellebogen, aber nicht 6 Kilometer, sondern 200…. unfassbar.
Auf der anderen Seite der Berge musste ich an Plovdiv vorbei, 2. größte Stadt in Bulgarien. Ich wollte nicht quer durch, die Nordumfahrung war zugestaut, die Südumfahrung länger und zäh. Eine knappe Stunde habe ich gebraucht, um diese Stadt zu überwinden. Und warm war es da unten in der Ebene…
Aber die nächsten Berge, tatsächlich „Balkangebirge“ genannt, lockten in der Ferne.
Bevor es in die Berge ging, hielt ich an einer Tankstelle, um zu tanken und bei einem Getränk auf dem Handy nach einer Übernachtung zu suchen. Da stand ein anderes Moped, auch eine Honda (VFR 1200, V4, in rot!), und ich kam mit dem älteren Fahrer ins Gespräch. Er sei auf dem Weg zu einem Motorradtreffen oben in dem Bergen, ob ich ein Zelt dabei habe.
Jaaaaahhh, dehnte ich meine Antwort. Hatte es bislang nur nicht genutzt. Aber es schien verlockend. So bin ich ihm über den Schipka-Pass gefolgt (wieder so eine Traumstecke um die Rasten abzuschleifen, aber er fuhr echt wie ein Opa), und so landete ich bei einigen hundert bulgarischen Motorradfahrern auf einer Wiese in dem Bergen.

Vladimir, so heißt mein neuer Freund, scheint der Alterspräsident des Clubs zu sein, der das organisiert, jedenfalls kannte er jeden auf dem Campground. Und das ist Vladimir:

Er bestand darauf, den Eintritt und das Essen zu bezahlen (Bier ist eh umsonst).
Ne Menge Motorräder:

Auf der ganzen Wiese verteilt.

Es dämmert.

Die Musik spielt auf:

Das ist die Band „Art of Mars“ (siehe Beitragsbild) aus der nächsten Stadt Gabrowo. Sie spielen zum 30. Jubiläum dieses Treffens.
Und heute ist Vollmond:

Was für eine lustige Begegnung.
Für die Statistik:
