Tata Rundkurs

Der Tag begann mit einem doppelten Erschrecken: hier oben in dieser alten renovierten Kasbah war es so ruhig,  dass ich keine Ohrstöpsel verwendet habe. Nur habe ich nicht aus dem Fenster gesehen: in Spuckweite war eine Moschee,  und mitten in der Nacht brüllen die Megaphone die Aufforderung zum Gebet in mein Zimmer. Ich wette, der Muezzin selbst schnorchelte noch selig und ein Computer übernahm die Aufgabe, eine mp3 zur richtigen Zeit abzuspielen. Zwar konnte ich wieder einschlafen, aber dann quäkte er erneut. Ein Blick auf die Handyuhr: uups, schon nach 6? Und draußen noch dunkel? Die Armbanduhr zeigte kurz nach 5. Also googeln,  und siehe da: auch Marokko hat Sommer- und Winterzeit, stellen aber zu einem anderem Tag um als wir. Der Morgen war gelaufen.

Num, heute war eh ein langer Rundkurs angesagt, da von Tata nach Tafraoute zwei Wege führen: Einmal untenrum im Süden, nahe (30 Kilometer) an der algerischen Grenze, oder obenrum durch die Berge, und ich beide Wege ausprobieren will. Deswegen einmal komplett. Am Ende waren es 450 Kilometer…!

Von Tata oben rechts ging es weiter in den Süden über sehr gerade und gut ausgebaute Straßen, ein Schnitt von knapp 100 ist da machbar. Alles recht wüstig hier, hatte was meditatives.

Kurz vor Icht erreichten wir den südlichsten Punkt der Tour:

Wer genau hinschaut, kann die GPS-Koordinaten im Navi erkennen

Von hier ist es Luftlinie nach Frankfurt genauso weit wie nach Akka in Ghana an der Elfenbeinküste.

Und hier unten im Süden hat eines der in der Regel fragwürdigen Verkehrszeichen tatsächlich seine Berechtigung:

Denn nur wenige Minuten später:

Camel-Crossing

Ansonsten hielte sich die Kamele (ja, ich weiß, sind Dromedare. Aber intern haben wir uns auf den Sprachgebrauch „Kamel“ geeinigt) am Wegesrand:

Hier die Familie auf dem Nachhause-Weg:

Sie gab es auch im Rudel:

In „Icht“ haben wir uns ein Hotel angeschaut, in dem auch ein namhafter Endurado-Wettbewerber regelmäßig gastiert, gute Wahl. Die Idee ist, von Ouarzazate kommend nicht in Tata zu übernachten, sondern direkt weiter bis Icht, da die Strecke so gut läuft (sind 1:45 von Tata). In diesem Hotel war am Abend zuvor die spanische Motorradgruppe, die wir vor Tata überholt hatten, also lässt sich das machen. Das würde dann den nächsten Tag in Tafraoute entspannter gestalten.

Von Icht ging es wieder durch die Berge nach Tafraoute, eine sehr schöne Strecke. Breites Tal zwischen gigantischen Bergen, sehr wenig Verkehr, ein echtes Highlight.

In Tafraoute haben wir sehr nett gegessen bei „Chez Nadia“, etwas versteckt, aber sehr freundliche Leute und lekker.

Dann der letzte Stint über 170 Kilometer durch die Berge zurück nach Tata (die gleiche Strecke fahren wir morgen in die entgegengesetzte Richtung nach Tafraoute, um dann dort die touristischen Highlights abzuklappern, war heute keine Zeit). Sehr sehr einsam durch die Berge,

auf 80 Kilometer niemand gesehen. Dann bogen wir auf eine Nationalstraße ab, die sehr gut ausgebaut war. Wieder kein Verkehr, ich konnte es laufen lassen und so sind wir mit 140 Sachen zum Stiefelbier in Tata gerauscht.

Die Tagesstatistik:

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