Gestern um 18:30 war Schluss mit dem Mummenschanz, die Cafés haben wieder auch tagsüber geöffnet, die Leute sind spürbar ausgelassener, freundlicher, winken viel, und viel mehr Action auf der Gasse.
Tagesplan war heute, eine andere Strecke von Midelt nach Imilchil zu finden, da gibt es mehrere, und die Route gestern war ja schon ganz Klasse, aber etwas länger. Also heute Rundkurs. Schlappe 260 Kilometer, wir sollten gegen 14 Uhr wieder hier sein. Von wegen.
Dabei fing alles so gut an. Nach Norden aus Imilchil raus war eine Traumstrecke, breit und gut asphaltiert, netter See auf dem Weg. Den zweiten haben wir nicht gesehen, denn

die beiden Seen werden „Braut“ (Tislit) und „Bräutigam“ (Iselli) bezeichnet. Der Sage nach sind sie durch die Tränen eines Liebespaares entstanden, das nicht heiraten konnte, weil ihre Stämme miteinander verfeindet waren (Rome und Julia auf berberisch).
Auf der Strecke haben wir einen 70er Schnitt gefahren, dann ging es bei Tizi n’Isly Richtung Osten Richtung Midelt. Das Tal war langweilig, eher wie Südfrankreich.


In der ersten Kleinstadt „Tounfite“ haben wir Leute (Männer) in einem Café sitzen sehen und haben uns dazugesellt für einen Kaffee und ein Wasser. Da sprach uns ein junger Kerl an, 20 Jahre alt, in sehr geschliffenem Deutsch (Grammatikalisch sehr sauber, viele Vokabeln). Er lernt seit 1.5 Jahren (!!) Deutsch als Fremdsprache und hat einen Vertrag von Rewe (!!!) zur Ausbildung im Fränkischen, im September geht es los. Er konnte „Fachkräftemangel“ fehlerfrei aussprechen. War echt witzig.

Von dort ging es in einem Bogen dann wieder zurück nach Imilchil durch das Tal, das es zu testen galt. Und mal wieder: Die Farbe der Straße auf dem Navi hatte nichts mit der Realität zu tun. Für 80 Kilometer durch dieses Tal haben wir 3 Stunden gebraucht. Völlig zerschossene Straße, schlimmer als Schotter, und zwei Pässe bis auf 2.600 Meter.
Das kann man den Kunden nicht zumuten.
Wir haben ein paar mal für Fotos gestoppt:


Da kam einer dieser „public transport“-Mercedes Transporter vorbei:


Als ich anhielt, um dieses Dorf am Wegesrand zu fotografieren, kamen gleich drei Kinder angespurtet (die haben offensichtlich ob des Ramadan-Ende schulfrei) und fragten nach Bonbon und Geld. Ich habe ihnen erklärt, sie sollen Deutsch lernen und bei Rewe eine Ausbildung machen, aber nicht rumschnorren (ok, ich habe gesagt „nix Bonbon, nix l’argent“)

Aber die Landschaft war wieder sehr abwechslungsreich, die Berge sehen schon ganz anders aus als bei uns.

So kamen wir recht durchgeschüttelt wieder in Imilchil an, diesmal in einem anderen Hotel. Auch das keine Empfehlung für die Kundentour.

Mein Zimmer:

Trotz Ramadan gibt es in dieser „Stadt“ (angeblich 1.500 Einwohner, sieht nach viel weniger aus) nirgends ein Bier zu kaufen.

Aber wir konnten beobachten, wie der Metzger seine Ziegen mit feuchten Tüchern umhüllt, damit sie länger frisch bleiben (hier im Hintergrund)

Ich denke eh darüber nach, die Tagesrouten so umzuplanen, dass wir in Midelt übernachten und nicht in Khenifra und hier in Imilchil nur Mittagspause machen, also nicht übernachten, und bis zum Ende der Todra-Schlucht nach Tinghir fahren. Dort gibt es auch gute Hotels.
So bleibt mir nur den Blog zu schreiben:

Die Tagesstatistik:
