Marias Elend

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Die letzten zwei Tage durch die Berge im Norden sollten ausklingen, gemütlich sein und nach Urlaub schmecken. Nach der letzten Bergtour, die wir nicht in den Bergen beenden durften weil uns da niemand haben wollte, sind wir am nächsten Tag einen Teil der Runde nochmal gefahren, inklusive der Schleifen, die wir am Tag zuvor aus Zeitgründen ausgelassen haben. Auf der engen und kurvigen Waldstrecke hat Jürgen irgendwo einen Powerriegel gefunden, diesmal ist es mir nicht gelungen, ihn abzuhängen.

Mann auf Motorrad vor Bergkulisse

Während eines kurzen Abstechers nach Kärnten über den Paulitschsattel hin und über den Seebergsattel zurück sind uns zum ersten mal seit Tagen wieder Motorräder begegnet, wobei der Seebergsattel auf der österreichischen Seite eine echte Rennstrecke ist, mit Applauskurve und allem. Nur ich zog wie auf einem Mofa durch die Kurven, um die Stollen zu schonen. Ein Bursche auf einer 690 Supermoto zeigte uns dann, wie man die ersten drei Gänge auf dem Hinterrad durchschaltet.

Abends sind wir in einem von Radfahrern bevölkerten Tal untergekommen und haben in einem Biergartenlokal die Hausplatte bestellt:

Ein kurzer Regenguss hat einen Regenbogen produziert:

Der Track für den letzten Tag war nur 120 Kilometer lang, auf breiten Straßen, mit einer kurzen Bergwertung hinauf auf den Maria Elend Sattel. Dort auf dem Berg verläuft direkt am Kamm die Grenze zu Österreich, einst eine bewachte grüne Grenze des kommunistischen Jugoslawien zum goldenen Westen.

Vor dem Abstecher noch eine kleine Jause, mit der Salami, die uns der nette Gastgeber in Kroatien mitgegeben hat.

Die Ostrampe hoch zum Sattel war sehr einfach, bis oben können auch normale Autos fahren. Traumhafte Aussicht von dort:

Ja, und auch Aussicht:

Für den Abstieg hatte ich eine Abfahrt nach Westen geplant, die sehr offensichtlich nicht für den normalen Verkehr gedacht war. Es wurde matschig, steinig, grobsteinig, steil, sehr steil.

Ich weiß zwar, dass Pfade im rechten Winkel zu Höhenlinien keine gute Idee sind, aber bei der Planung dachte ich, na geht ja abwärts.

Auf 700 Meter betrug das Gefälle im Schnitt 24 Prozent, an der ärgsten Stelle auf 220 Meter waren es 37 Prozent (alles nachgerechnet). Das kling viel, ist viel. Zur Vorstellung:

Zündung aus, 1. Gang drin, Kupplung nicht gezogen, vorne Bremse voll gezogen, das Motorrad rutscht mit blockiertem Hinterrad bergab und wird dabei schneller.

Ich bin mit viel Mut und Vertrauen darauf, dass schon irgendwo eine seichtere Stelle zum Anhalten kommt (war natürlich alles eng kurvig), in einem Rutsch runter, und als ich endlich zum Stehen komme, höre ich Jürgens Motorrad nicht mehr. Nur mal kurz seine Hupe.

Der Suzuki steht da nicht entspannt, sondern parkt sehr steil und durch Steine vor den Rädern gesichert. Steilheit geht nicht aufs Foto.

Jedenfalls musste ich ja wieder hoch zu Jürgen, aber zu Fuß. Der Weg da auf dem Bild, der in der Mitte im Grün verschwindet, war so steil, dass ich nur Dank eines Seiles, das links für Wanderer aufgespannt war, überhaupt den Weg hochgekommen bin. Jürgen war schon recht weit gekommen, aber zweimal umgekippt und zweimal in diesem Gefälle das Motorrad wieder aufgerichtet, jetzt war er fertig. Ich habe dann seine KTM runtergefahren, wie erwähnt mit 1. Gang ohne Zündung und voller Bremse und dennoch schneller werdend. Aber ich wusste ja, wo es endet.

Das war die Special-Stage für diesen Tag.

Über den Wurzenpass sind wir dann am Nachmittag im Hotel angekommen, wo das Auto und der Hänger auf uns wartete.

Jetzt geht es sehr entspannend wieder Heim, die müden Knochen dürfen sich erholen.

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