Excalibur

am

Die Sage von Artus und dem Schwert, das in einem Stein steckt, hat wahrscheinlich hier in der Toskana seinen Ursprung gefunden: Hier gibt es ein Schwert, das in einem Stein steckt, und man kann es anschauen:

Ja, da steckt es tief und fest:

Das ganze zu sehen in einer kleinen Kapelle in der Einsamkeit:

Die Legende sagt, dass ein verzogener Raubritter, der ein wohl recht lasterhaftes Leben führte, ungefähr 1170 hier in der Gegend eine Erscheinung hatte. Ein Erzengel soll ihm geraten haben, ein tugendhaftes Leben zu führen und seinem bisherigen Tun abzuschwören. Das sei nicht so einfach, entgegnete Galgano Guidotto, ehe könne er sein Schwert in diesen Stein rammen als sein Leben ändern. Tat es, und wundert sich: Das Schwert steckte im Fels. Das war natürlich auch für so einen lasterhaften Ritter eine Überraschung, und so baute er sich eine kleine Einsiedelei aus Holz und Stroh und lebte fortan from und einsam.

Und die Legende erwähnt auch einen anderen Räuber, der versucht haben soll, das Schwert aus dem Fels zu ziehen. Natürlich schaffte er es nicht, stattdessen kam ein Wolf und biss ihm beide Arme ab:

Das Alter dieser Knochen ist tatsächlich nachgewiesen, es passt aus dieser Zeit. Und wie das Schwert in den Stein kam, ist bis heute nicht geklärt.

Der bekehrte Raubritter starb dann recht früh (woran ist nicht überliefert), nach seinem Tod wurde um den Fels mit dem Schwert eine kleine Kapelle errichtet (das „Wunder“ hatte sich recht schnell rumgesprochen), und noch ein bisschen später (1218) wurde etwas weiter unten eine große Abtei von den Zisterziensermönchen gebaut.

Bis ca. 1500 war die Abtei sehr erfolgreich, sie „erwarben“ große Ländereien (und führten eine Art Notariat für die Leute da…. nun, die werden sich ein paar passende Verträge in der Fälscherwerkstatt erstellt haben, bei kirchlichen Besitzungen bin ich immer etwas skeptisch). Landwirtschaft etc. machte sie vermögend, so sehr, dass die Republik Siena und der Papst sich darum stritten. Egal, die Abtei ging dann irgendwann den Bach runter (permanente Kriege dort in der Gegend, die Pest und marodierende Banden), der letzte Chef-Mönch verkaufte die Bleiplatten vom Dach, dann stürzte das Dach ein, die Bauern in der Umgebung fanden Wiederverwendung für die Steine, und heute ist dieses verfallene Bauwerk eines der touristischen Highlights der Toskana.

Ein letztes Mal wurde der Raubritter als Erscheinung in der Abtei gesichtet:

1961 hat ein (meiner Überzeugung nach findiger) Zisterzienser von Rom die Erlaubnis erhalten, dort in der Abtei wieder einen kleinen Orden aufzubauen, ich vermute er ahnte das touristische Potential dieser Lokation und ist nicht unwesentlich daran beteiligt, dass hier Veranstaltungen und Konzerte stattfinden und eine recht gute Gastronomie auf dem Weg vom Parkplatz dorthin entstand.

Nur das Bilderrätsel am Parkplatz ist mir immer noch ein Rätsel:

Als studierter Mathematiker ist mir die Formel da drin nicht verständlich (Auto + Mensch = Kirche???). Aber vielleicht hat auch hier die Schildermafia ihre Finger im Spiel.

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  1. Avatar von Andreas Andreas sagt:

    Also, um Deinen wiederentdeckten Tucholsky nochmals zu zitieren:

    Es geht nirgends merkwürdiger zu als auf der Welt.

    Kurt Tucholsky (1890-1935), dt. Schriftsteller

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