Rainy days in Vercor

Seit zwei Tagen fahren wir dem Regen hinterher oder drumrum, jetzt gibt es kein Entrinnen mehr: gestern Abend in Vaison la romaine hat es ja kurz nach unserer Ankunft recht kräftig gewittert und die ganze Nacht durchgeregnet (soweit plausibilisierbar).

Daher die Abfahrt bei dann nur noch leichtem Regen aber tief hängenden Wolken im Regenanzug:

So eine Regentülle hat ja die zentrale Eigenschaft, keine Feuchtigkeit hineinzulassen, aber leider auch, keine hinauszulassen. Im Grunde eine Zeltplane passend geschnitten. In der warmen und bunten Garage (siehe gestern) haben wir beide beim Aufsatteln ordentlich geschwitzt, und diese Feuchtigkeit konnte nicht entkommen, es fühlte sich kühl und nass an, als sei die Tülle nicht dicht. Nach einer halben Stunde habe ich angehalten und mich am Wegesrand umgezogen. Soll die teure Touren-Kombi zeigen, ob sie a) atmungsaktiv und b) regenfest ist.

Nach einer knappen Stunde im leichten Herbstregen musste ich dann aber doch mal nachschauen, ob das Gefühl im Schritt nun Feuchte oder Kühle war. In einer Umkleidekabine am Wegesrand….

… dann Entwarnung: innen trocken, aber halt kühl. Also taugt die Tourenkombi, der Regensack ist nur noch dabei, weil halt echt kleines Packmaß.

Die Farbe der Hecktaschenabdeckung harmoniert noch nicht. Mehr

Den zweiten Kaffee haben wir dann in „Dieulefit“ zu uns genommen:

Das ist ein historisch bedeutsames Dörfchen:

Dieulefit heißt übersetzt: „Gott hat’s gemacht“. Der Luftkurort mit seinen 3.300 Einwohnern zieht damals Intellektuelle und Künstler an. Geistiges Zentrum während des zweiten Weltkriegs ist das Internat von Beauvallon, das von drei Frauen geleitet wird. Marguerite Soubeyrand, Catherine Krafft und Simone Monnier – die gemeinsam in einer lesbischen „Menage à trois“ leben. Sie nehmen zunächst Kinder von Flüchtlingen aus dem Spanischen Bürgerkrieg auf, dann jüdische Kinder und Kinder von Widerstandskämpfern.

Die drei Frauen prägen die Atmosphäre in Dieulefit und motivieren andere, sich ebenfalls zu engagieren. Zum Beispiel Jeanne Barnier, damals Sekretärin des Bürgermeisters: Sie habe den Satz gesagt: „Das Schwierigste ist nicht, seine Pflicht zu tun – das Schwierigste ist zu wissen, was seine Pflicht ist.“ (sie hat etliche gefälschte Pässe erstellt).
Bis 1944 werden in Dieulefit 1.500 Flüchtlinge versteckt: französische und deutsche Juden, spanische Republikaner und andere politisch Verfolgte.

Und als wäre diese Hilfestellung nicht schon bedeutsam genug, kommt jetzt erst die historische Dimension: Vier Jahre lang gibt es keine einzige Denunziation.
Das Vichy-Regime hat für jeden verratenen Juden Geld bezahlt und es habe viele arme Leute gegeben. Aber es ist nichts passiert.

Deswegen sind wir dann an das Denkmal (das doch tatsächlich erst 2014 erstellt wurde):

Das Halbrund symbolisiert den Schutz, den „Dieulefit, wo niemand ein Fremder ist“, gewährt hat. Es erinnert an die Flüchtlinge und die schweigsamen Einwohner. „Dieses Denkmal ehrt nicht Opfer oder Tote, sondern menschliche Wesen, die andere Menschen gerettet haben, die ihnen unbekannt waren“, steht auf dem Gedenkstein.

Nach so viel Kultur ging es unter den tiefhängenden Wolken weiter.

Wir sind an der Ostkante des Vercor nach Norden, und während ich mich beim Planen der Route noch gewundert hatte, warum auf 40 Kilometer kein einziger Stich nach links weg geht, war mir bei diesen burgzinnenartigen Bergen alles klar.

Wir hatten zwar insgesamt trotzdem Glück mit dem Wetter, zweimal eine Stunde echter Regen, und ansonsten halt nur nasse Straße. Für mich deutlich ungewohnter als für den Hufschmied, aber soooo viel langsamer war ich dann auch nicht. Und hab mich am Ende sogar dran gewöhnt, dass der Reifen bei Nässe auch recht gut greift.

Unterwegs haben wir einen Ro80-Friedhof gesehen vor morbider Kulisse:

Rund 80 Kilometer vor dem Ziel haben wir dann abgebrochen, bei dem Wetter konnten wir keinen vernünftigen Schnitt fahren. In einem klangvollen Hotel haben wir und die Mopeds Unterschlupf gefunden:

Die Tagesstatistik:

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