Rundkurse sind hier im Süden der Dolomiten offenbar nicht gerne gesehen.

So löblich die Strategie ist, in tourismusarmen Coronazeiten auch die kleinen Pässe für die nächste Motorradsaison vorzubereiten, so kann es doch ein wenig nerven, ständig in eine Vollsperrung zu geraten.

Wie immer wollte ich den Schildern unten im Tal nicht glauben und sehen, wie ernst die es meinen. Sehr ernst.
Einmal hat sich die kleine braun gepunktete Linie im Navi nicht als grobgeschotterter Waldweg materialisiert, sondern als wunderbar asphaltierter Radweg (und ehrlicherweise war er auch als solcher ausgeschildert) und so konnte ich mal eine Sperrung umfahren.
Ein anderes Mal habe ich mir die Mühe gemacht, den Pass auch von der anderen Seite anzufahren, nachdem an der ersten Baustelle die Bauarbeiter andeuteten, weiter oben sei kein Durchkommen.
Wie recht sie hatten.
Aber dafür bin ich einer Dreier-Gruppe Motorradfahrer begegnet, die auch diesen Pass fahren wollten. Ich sagte, dass die Straße tatsächlich gesperrt sei, und der Anführer der Gruppe auf einer KTM 790 zögerte kurz, ehe er nachfragte, ob auch mit meinem Motorrad kein Durchkommen sei. Erst dann glaubte er mir und lud mich ein ihnen zu folgen, er kenne da eine schöne Abkürzung. Es folgte ein netter kurzer Ausritt in Schotter, und ehe sich unsere Wege trennten sagte Giovanni, der Anführer auf der KTM, dass er sich sehr gefreut habe einen anderen KTM Fahrer getroffen zu haben, er arbeite bei KTM und ob ich denn zufrieden sei. Das war nett.
Die Gruppe fuhr ins Tal, ich fand eine Abkürzung auf dem Navi zum nächsten Pass, bis ich von einer anderen Sperre aufgehalten wurde: ein Auto-Bergrennen. Einen dieser Rennmöhren habe ich vorbeijagen sehen und noch mindestens 10 Kurven weit gehört. Also wieder kehrt.

An einem anderen kleinen Pass habe ich ein einsames „Agritourismo“ besucht, für ein zweites Frühstück. Käse gab es, aber kein Brot, dafür Cracker. Und einen frisch gebrühten Kaffee.


Dann mal wieder ein paar Selfies (ok, hier seeehr genau hinschauen um mich zu finden. Also in den Bildern unten, nicht das da oben):
Dann musste ich mich umziehen. Ich parkte kurz in einem Waldweg zum Pinkeln und dachte noch, das plätschert ja ganz ordentlich, aber es war der Regen der in dieser Sekunde anfing. Einen schönen Pass bin ich dann im Regen hochgefahren, oben auf 2000 Meter war es mehr Hagel, und unten schien wieder die Sonne.
Merke: es ist eine gute Idee, ein zweites paar Handschuhe dabei zu haben. Die noch bessere Idee wäre es, als zweites Paar gute Goretex Handschuhe dabei zu haben
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Das Tagesprogramm war eh nicht mehr einzuhalten, und als über dem nächsten Tal tiefe Wolken hingen, habe ich abgebrochen (war immerhin 17:30) und bin in einer Pension untergekommen.





