Warum einer eine Reise tut

Auf die Frage, warum ich seit Kurzem so viele Motorradreisen unternehme, gibt es verschiedene Antworten: Es gibt Leute, die vermuten eine ausgewachsene Midlife-Crisis dahinter, andere nicht altersgerechtes Abenteuertum, irgendwas mit sich-selbst-was-beweisen, und so weiter halt.

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Ich halte es da eher mit der Antwort auf die Frage, warum sich der Hund die Eier leckt: Weil er es kann.

Ich habe spät (besser spät als nie) die Möglichkeit gefunden, Motorrad zu fahren (nunmehr verschiedene), habe Freunde, die das schon lange machen und mit denen ich fahren kann (gleichwohl es alleine auch sehr schön ist), kann mir die Zeit nehmen, ich scheue Herausforderungen nicht, also alles Rahmenbedingungen, die den Entschluss reifen lassen: Ich könnte es machen, also mache ich es. Das ist so ein „now or never“-Ding, warum also nicht ausprobieren?

Daneben gibt es natürlich auch ganz klassische Motivationen: Ich reise tatsächlich gerne (flitter2014.wordpress.com), ich fahre gerne motorisiertes Fahrzeuge (eisenschweinbsc2018.wordpress.com). Bislang auf (zumeist auch alle angetriebenen) vier Rädern.

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Also dann mal auf zwei Rädern. Mich interessieren Landschaften, Kulturen, abseits gelegene Wege, und auch ein bisschen die Komfortzone zu verlassen. Nur so viel Gepäck wie auf ein Motorrad passt, Zelt und Campingkocher inklusive, bei Wind und (wahrscheinlich) Wetter. Ja, das ist etwas außerhalb meiner Komfortzone (gleichwohl die Touren mit Freundin vom Hotel aus ohne Gepäck auch sehr sehr angenehm sind).

Europa ist hinreichend groß und abwechslungsreich und sehr sehr schön, und meine Touren in Marokko erweitern das landschaftliche und kulturelle Spektrum enorm.

Und so eine Motorrad-Reise ist ja auch irgendwie so ein Männer-Ding: Du reitest dein (Stahl)Ross durch die Prärie, die Satteltaschen fest verzurrt, wenn es dunkel wird das Nachtlager aufschlagen, noch drei Tagesritte bis zum nächsten Saloon (naja, etwas übertrieben. Oft genug hat die Hotelbar geöffnet).

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Auf dem Motorrad bist du viel mehr den „Elementen“ ausgesetzt als im Auto (Wetter, Straße, Physik, Ausdauer), viel näher an den Menschen weil viel weiter weg von den Autobahnen. Es fehlt das „Häuschen“ um dich herum wie in einem Auto, das Haus ist der Himmel über dir, oder du selbst bist dein Haus.

Natürlich gibt es auch Risiken und Gefahren, gerade beim Motorradfahren. Hat was mit Physik zu tun, dass zwei Räder weniger Stabilität ermöglichen wie vier.  Die Knautschzone bist du selbst (und die Protektoren Level 2 in den Klamotten). Aber da ich kein Raser bin, keine Stahlkappen auf den Knieschützern habe und ein eher gemütlicher Fahrer bin (ok, nicht alle sehen das so), sehe ich das Risiko einer Überraschung in der Schräglage als beherrschbar an. Außerdem, so viel weiß ich mittlerweile, ist so ein Abflug aus dem Sattel nicht zwingend tödlich. Man muss nur genug Kraft haben, das Moped danach wieder aufzuheben. Und eine Tube Voltaren im Gepäck.

Eine Reise, gleich ob Kreuzfahrt oder Motorradtour, ist ja auch immer eine Reise zu dir selbst. Andere machen Yoga-Kurse auf Mallorca, Töpferkurse, lesen Ratgeber.

Oder man fährt raus aus dem Alltag, rein in eine neue Umgebung.

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Zuhause und im Büro kenne ich mich. Da draußen wird ein großer bekannter Teil von mir mitfahren, und ein kleiner neuer Teil von mir auf Entdeckung warten. Auf diesen Teil bin ich auch gespannt.

So gibt es also einen bunten Strauß an Gründen für Motorradtouren. Ich sehe die hier skizzierten Motivationen, andere sehen etwas Anderes darin. Aber wer weiß es wirklich? Genau: Ich.

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